2. Dezember 1959

Tod auf der Dienstreise: Peter Hasenohr, Jugendreferent des Gesamtverbandes, verunglückt auf einer Dienstreise nach München tödlich.

Die Foto: Peter Hasenohr, RednerNachfolge Peter Hasenohrs als Jugendreferent der Hauptgeschäftsstelle tritt der bisherige Geschäfts-führer des Landesverbandes Baden-Württemberg, Gerhard Haag (32), an.

Zu seinem Nachfolger im Landesverband Baden-Württemberg wurde der seitherige Haupt-geschäftsführer des Jugendsozialwerkes, Otto Würschinger (45), berufen.

Nachruf für Peter Hasenohr in den DPWV-Nachrichten:

"Peter Hasenohr, der Jugendreferent unseres Verbandes, wurde am 2. Dezember 1959 durch einen Autounfall im Alter von 35 Jahren von uns genommen. Er war auf einer Dienstreise zum Unesco-Institut in Gauting bei München, um dort einen Lehrgang vorzubereiten. Peter Hasenohr besuchte in seiner Geburtsstadt Leipzig die Volksschule und das Gymnasium. Nach der Reifeanerkennung 1942 immatrikulierte er sich für Architektur an der Technischen Hochschule in Dresden, doch konnte er das Studium nicht aufnehmen, da er zum Arbeitsdienst und noch im gleichen Jahr zur Wehrmacht eingezogen wurde. Er kam zunächst nach Frankreich und Anfang 1943 an die Ostfront. Bei Kriegsende wurde er direkt aus dem Lazarett, wo er mit Verwundungen und einer Malaria lag, in das amerikanische Kriegsgefangenenlager Bad Kreuznach gebracht.

Nach seiner Rückkehr in die Ostzone wurde er erneut gefangengenommen. Im Lager Mühlberg an der Elbe, wo er vom Oktober 1945 bis Juli 1948 inhaftiert war, gelang es ihm, für die Jugendlichen bessere Arbeits- und Lebensbedingungen durchzusetzen. Besonders für die Jugendlichen der ihm zugeteilten Arbeitsgruppe ist er in der schweren Zeit der Gefangenschaft zu einem guten Freund und hilfreichen Kameraden geworden. Noch lange nach der Lagerzeit haben diese jungen Menschen mit ihm in Verbindung gestanden.

Diese Zeit wurde entscheidend für seinen Entschluß, sich ganz der Jugendfürsorge zu widmen. Die Maurerlehre, die er ursprünglich als Praktikum für den Architektenberuf 1948 in Bielefeld begonnen hatte, wurde nun für ihn zur Vorbereitung für sein Studium an der Wohlfahrtsschule in Dortmund, das er nach der Gesellenprüfung im April 1950 aufnahm. Im März 1952 legte er das Examen als Wohlfahrtspfleger — mit dem Hauptfach Jugendfürsorge — mit „sehr gut" ab. Anschließend ging er für ein Jahr in das Waisenheim Niederbreisig am Rhein.

Am 1. 4. 1953 wurde Hasenohr zum Geschäftsführer des DPWV-Landesverbandes Niedersachsen berufen. Mit Ausdauer und Zähigkeit, mit großem Verhandlungsgeschick und Ideenreichtum hat er dem Verband, der erst die Grundlagen zum Wiederaufbau gelegt hatte, in vorbildlicher Weise entwickelt und geprägt. Insbesondere der Aufbau der Kreisgruppen ist sein Werk. Im Mai 1956 übernahm Hasenohr das Jugendreferat im DPWV-Gesamtverband in Frankfurt a. M. Hier baute er das Jugendwerk, das noch in ganz bescheidenen Anfängen stand, zu der umfassenden und vielseitigen Fachabteilung aus, die es heute ist. All das, was er mit zielstrebiger Energie und unermüdlicher Tatkraft, mit schöpferischer Phantasie und unbeirrbarem Idealismus geleistet hat, läßt sich unmöglich hier nennen. Er hat die vielen Einrichtungen der Jugendarbeit in unserem Verband so zusammengeführt, daß der Name ,Jugendwerk des DPWV' erst seine Berechtigung gewann. Ihm ist viel von dem Ansehen, das unser Verband bei Behörden und Verbänden der Jugendarbeit genießt, zu verdanken.

Sein besonderes Interesse galt Fragen der Ausbildung und Fortbildung. Neben dem großen Lehrgangsprogramm für unsere Mitarbeiter in den Einrichtungen der Jugendarbeit hat er sich in letzter Zeit immer stärker um eine gute Ausbildung des sozialpädagogischen Nachwuchses bemüht. Hasenohr hat uns ein Werk hinterlassen, das zu erhalten uns schwer werden wird, das weiterzuführen wir ihm aber schuldig sind. Vor allem aber haben wir in ihm einen zuverlässigen Freund, einen lauteren und fröhlichen Menschen verloren. Der unermüdliche Arbeiter blieb immer gelöst und überlegen, der hartnäckige Unterhändler verlor nie Konzilianz und Fairneß, der gewissenhafte Fachmann wurde nie zum engstirnigen und einseitigen Spezialisten.

Davor bewahrten ihn schon seine künstlerischen Neigungen, die ihn bereits in seiner Schülerzeit auf die Leipziger Musikschule geführt hatten und ihn später den Beruf des Architekten anstreben ließen: ,Baugestalt und Wohnkultur eines Heimes als Erziehungsfaktoren' war so auch ein Thema, das er besonders gern behandelte und über das er auch einen Beitrag zum Handbuch der Heimerziehung geschrieben hat. Diese Verbindung verschiedener Interessen ist überhaupt kennzeichnend für ihn gewesen.

Immer wieder schien es so, als ob das Private der Arbeit weichen müßte, weil er völlig in ihr aufging; aber er hat nicht nur in seiner Arbeit gelebt, sondern zugleich sein privates Leben in ihr erfüllt gefunden, seine Erfahrungen und Erlebnisse in sie eingebracht und auch selbst wieder aus ihr gewonnen. Deshalb konnte er auch so begeistert von der Jugendarbeit und für die Jugendarbeit sprechen. Nun, da er nicht mehr sprechen kann, müssen wir es für ihn tun. Für ihn sprechen aber heißt für die Jugend sprechen."

 

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